Den Preis eines Autos bestimmt heute nicht mehr nur eine Zahl auf dem Tacho, sondern die Kombination aus Laufleistung, Gesamtzustand und einer transparenten Wartungshistorie. Früher haben viele fast nur auf die Kilometer geschaut – ein Auto mit „wenig gelaufen“ galt automatisch als besser. Statistiken zeigen: Je höher der Kilometerstand eines Fahrzeugs, desto stärker sinkt in der Regel sein Marktwert, viele Branchenanalysen gehen von etwa 20 % Wertverlust pro zusätzlich gefahrene 20 000 Meilen (≈ 32 000 km) aus, wenn alle anderen Faktoren gleich bleiben.
Heute sehen Käufer einen höheren Kilometerstand entspannter, beurteilen dafür den technischen Zustand, die Karosserie und die Unterlagen umso strenger. Wenn du den realistischen Marktpreis einschätzen willst, musst du das Auto deshalb immer als Gesamtpaket betrachten und nicht nur eine einzige Zahl im Cockpit.
Kilometerstand: hilfreicher Anhaltspunkt, aber kein Urteil
In der Praxis bestimmt nicht der Kilometerstand allein den Preis, sondern die Frage, wie diese Zahl zum tatsächlichen Einsatz des Fahrzeugs passt. Der Tacho zeigt nur an, wie viele Kilometer gefahren wurden – nicht aber, wo und unter welchen Bedingungen sie zusammengekommen sind. Es gibt grobe „Normwerte“ für die jährliche Laufleistung, an denen sich der Markt orientiert: Deutlich weniger oder deutlich mehr Kilometer beeinflussen sofort die ersten Preisvorstellungen.
Typische Nutzungsszenarien unterscheiden sich stark: Ein Auto kann einen relativ niedrigen Kilometerstand haben, aber sein Leben überwiegend im Stadtverkehr auf kurzen Strecken mit vielen Kaltstarts verbracht haben. Ein anderes Fahrzeug hat vielleicht deutlich mehr Kilometer, die aber größtenteils auf der Autobahn zusammengekommen sind – mit gleichmäßiger Last und stabilen Betriebstemperaturen. Formal wirkt das zweite Auto in den Zahlen „schlechter“, ist technisch aber oft nicht schlechter erhalten, manchmal sogar besser. Der Kilometerstand ist deshalb ein wichtiger Ausgangspunkt für das Gespräch über den Preis, aber kein endgültiges Urteil.
Warum der Zustand für Käufer wichtiger ist als die Kilometerzahl
Sehr häufig entscheidet der Gesamtzustand des Autos über den Preis, nicht eine konkrete Zahl auf dem Tacho. Wer zur Besichtigung kommt, nimmt immer das komplette Bild wahr – wie sich das Auto fährt, wie es aussieht und was in den Unterlagen steht. Spätestens dann zeigt sich, ob der Kilometerstand zu dem passt, was das Auto optisch und technisch vermittelt.

Wenn von „Zustand“ die Rede ist, geht es in der Regel um mehrere Bereiche:
- Technische Seite – Motor, Getriebe, Fahrwerk, Bremsen;
- Karosserie – Rost, Spuren kleiner und größerer Unfälle, Qualität von Lack- und Karosseriearbeiten;
- Innenraum – Abnutzung von Sitzen, Lenkrad und Pedalen, Geruch und Sauberkeit insgesamt;
- Servicehistorie – Einträge im Serviceheft, Werkstattrechnungen, HU-/AU- oder TÜV-Protokolle.
Jeder dieser Punkte gibt entweder Vertrauen oder liefert Argumente für Verhandlungen. Eine gepflegte Karosserie ohne Rost, ein sauberer Innenraum ohne Fremdgerüche, rund laufende Aggregate und ein vollständiger Dokumentensatz erlauben einen höheren Preis – selbst wenn das Auto schon eine stattliche Laufleistung hinter sich hat.
Warum ein gepflegtes Auto mit hoher Laufleistung manchmal besser ist als ein „fast neues“
Bei echten Kaufverträgen hat der Zustand des Fahrzeugs häufig mehr Gewicht als der Kilometerstand, sobald Plus- oder Minuspunkte sichtbar werden, die im Inserat nicht auffallen. So kann der Kilometerstand zwar niedrig sein, das Auto aber lange gestanden haben, Rost an Schwellern aufweisen und mehrere fällige Inspektionen verpasst haben. Auf dem Papier wirkt die Zahl attraktiv, doch bei der Besichtigung wird schnell klar, dass das Auto in keinem guten Zustand ist und Investitionen braucht.
Das Gegenbeispiel ist ein Fahrzeug mit hoher, aber ehrlich angegebener Laufleistung und lückenloser Wartungshistorie. Im Serviceheft ist zu sehen, dass das Öl rechtzeitig gewechselt wurde, die wichtigsten Arbeiten erledigt sind und Bremsanlage sowie Fahrwerk regelmäßig gewartet werden. Wenn dazu die Karosserie unfallfrei oder fachgerecht instand gesetzt ist und der Innenraum gepflegt wirkt, ist ein solcher Wagen für viele Käufer mehr wert. Sie zahlen lieber etwas mehr für ein Auto, das keine akuten Reparaturen verlangt und technisch wie optisch in einem sehr guten Zustand ist.
Wie du dich fair auf einen Preis einigst: Leitfaden für Verkäufer und Käufer
In der Praxis hängt der Marktpreis eines Autos immer vom Zusammenspiel aus Laufleistung, Baujahr und tatsächlichem Zustand ab. Die meisten beginnen mit einem Blick in Online-Inserate und Bewertungsrechner: Modell, Baujahr, Motorisierung und Kilometerstand werden eingegeben, daraus ergibt sich ein grober Preisrahmen.
Danach folgt die Besichtigung. Der Käufer sieht sich das Auto in Ruhe an, macht eine Probefahrt und fährt oft noch auf die Hebebühne. In diesem Schritt rücken technische Details, Karosserie, Innenraum und Reifen in den Vordergrund. Parallel werden Unterlagen geprüft: Serviceheft, Werkstattrechnungen, Prüfberichte. Ist der Zustand schlechter als im Inserat erwartet, drückt das den Preis. Wirkt das Auto im Vergleich zum Markt dagegen überdurchschnittlich gepflegt, kann der Verkäufer einen Aufschlag gut begründen.
Damit der Preis für beide Seiten nachvollziehbar wirkt, sollte der Verkäufer den Zustand nicht verstecken, sondern transparent zeigen:
- Serviceheft, Werkstattrechnungen und Prüfprotokolle bereitlegen.
- den Kilometerstand ehrlich angeben und die typische Nutzung beschreiben – Stadt, Autobahn oder gemischt.
- vor dem Verkauf kleine Mängel beseitigen, die sofort ins Auge fallen und automatisch als Hebel für Preisnachlässe genutzt werden.
Als Käufer solltest du den Kilometerstand eher als Startpunkt sehen, nicht als einziges Kriterium. Wichtig ist, die Karosserie, den Innenraum und die Reifen genau anzuschauen, die Technik zu prüfen und unbedingt die Serviceunterlagen einzusehen. Ist das Auto technisch in Ordnung und sichtbar gepflegt, ist eine angemessene Laufleistung an sich kein Problem. Den tatsächlichen Preis bestimmt am Ende fast immer die Kombination aus ehrlichem, plausiblen Kilometerstand und dem realen Zustand des Fahrzeugs.